La vie liquide

KUNSTRAUM POTSDAM c/o Waschhaus

Eröffnung: Freitag, 01. Juni, 2018, 19 Uhr

Einführung: Stephan Klee / Frontviews Komposition: Valentin Plessy

21 Uhr DJ aMinus
Ausstellung: 02. Juni –15. Juli 2018

Schiffbauergasse 4d, 14467 Potsdam Mi-So / 13-18 Uhr kunstraum@waschhaus.de kunstraumpotsdam.de

 

Handgeknüpfte Blumenbouquets aus goldenen Thermo-Rettungsdecken schmiegen sich an Wände und Boden, bewegte Projektionen treffen auf reflektierende Glasmosaike und werfen schillernden Facetten an alle Wände des Raumes. Dazu verschmelzen erlesene Reminiszenzen an eine weltweite Popkultur zu psychedelischen Videos. Renaissance trifft auf japanische Tradition, wird erweitert mit geologischen Phänomenen und angereichert mit einer Prise aktueller Politik. Schon sind die gewohnten Grenzen zwischen Kultur, Technik und Medium in diesen Arbeiten spielend gesprengt worden, ganz so wie es sich auf Planet POP gehört.

Willkommen in der multimedialen Welt der französischen Künstlerin Cécile Wesolowski. Eine Welt, in die der Betrachter eintauchen kann wie in ein fluktuierendes Plasma, konzentriert angereichert mit neuartigen Erfahrungen und überraschenden Assoziationen. In der heutigen Realität, in der weltweite Produktion, Information, Illusion und Virtualität, einer Flüssigkeit gleich, flexibel in die Leerstellen der Materialität einströmen und dabei scheinbar mühelos bisherige Unterscheidungen überwinden und die Wirklichkeit exponentiell erweitern; ist die Liquidität des Lebens längst nicht nur mehr nur in monetärer Hinsicht relevant und spürbar. Jean Baudrillard attestierte nicht ohne Grund in seinem letzten Buch: Die Realität, so wie sie im Laufe der letzten Jahrhunderte erfunden wurde und welche wir zum Prinzip erhoben haben, befindet sich auf dem Weg der Auflösung.*

Cécile Wesolowski reagiert auf diese neuen Strömungen der Lebensverhältnisse, indem sie die Phänomene dieses fluiden, digitalen Anthropozäns aus eigener Perspektive neu kombiniert, sie dabei überhöht und gleichzeitig hinterfragt. Diesem Verständnis folgend sind ihre immersiven Installationen im Ausstellungsraum Repräsentationen einer sich entgrenzenden Realität. Dabei müssen ihre Werke auch zwangsläufig zu Simulationen der gegenwärtigen gesellschaftlichen Simulation werden.

Mit viel Fantasie und Humor setzt sie dabei beispielsweise leere Likörflaschen, aufblasbares Badespielzeug oder mit Strass besetzte Accessoires verblüffend in Szene, so dass die vormals profanen Konsumobjekte plötzlich Glanz, Glamour und Wert suggerieren. Oder sie kombiniert taktile Materialien wie Glas, Kunststoff und gefaltetes Metall mit immateriellen Lichtspielen und Projektionen unterschiedlichster Art, mögen sie aus Scheinwerfern, LED Lichtquellen, Filmen oder digitale Animationen stammen. So schafft es die Künstlerin in aufklärerischer Manier die Illusion ihrer Inszenierungen ins Menschlich-Handgemachte und in die greifbare Materialität zurück zuführen und dem Betrachter damit die Ambivalenz unserer Schönen Neuen Welt erfahrbar werden zu lassen.

Cécile Wesolowski wurde 1982 in Croix, Frankreich geboren und ist unter anderem an der Kunsthochschule der Region Les hauts de France (ERSEP) und der Universität Venedig bei Giorgio Agamben ausgebildet worden. Sie nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland teil und lebt und arbeitet in Potsdam.

 

Stephan Klee

 

* Jean Baudrillard Die Intelligenz des Bösen, S. 13, Passagen Verlag Wien, 2006